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Stromerzeuger kaufen: worauf es wirklich ankommt

Die meisten Fehlkäufe entstehen an zwei Stellen: an der Wattzahl, die auf der Verpackung steht – und an der Frage, was überhaupt angeschlossen werden soll.

Ein Notstromaggregat kauft man nicht nach Optik. Vier Angaben entscheiden darüber, ob es zu deinem Vorhaben passt: die Dauerleistung, die Leistungsreserve für den Anlauf, die Bauart und die Laufzeit. Alle vier stehen im Datenblatt – und alle vier werden regelmäßig missverstanden. Diese Seite geht sie der Reihe nach durch.

1. Dauerleistung statt Spitzenleistung – die wichtigste Unterscheidung

Auf Verpackung, Produkttitel und Typenschild steht fast immer die höhere Zahl: die Spitzenleistung. Sie beschreibt, was das Aggregat kurzzeitig liefert – je nach Hersteller für fünf Minuten, für zwei Minuten oder sogar nur für Sekunden. Was dauerhaft zur Verfügung steht, ist die Dauerleistung, in Betriebsanleitungen als P nenn, Nennleistung oder S1 geführt.

Wie weit beides auseinanderliegt, zeigt der Vergleich: Der Scheppach SG2500i wird als „2000 W“ verkauft, seine Betriebsanleitung nennt 1600 W Dauerleistung und 2000 W für zwei Minuten. Beim Einhell TC-PG 10/E5 stehen 680 W dauerhaft gegen 800 W für eine Minute. Beim Scheppach SG3500i ist der beworbene Wert „3500 W“ sogar ein Zwei-Sekunden-Spitzenwert; dauerhaft sind es 3000 W.

Merksatz: Plane deinen Bedarf immer gegen die Dauerleistung. Die Spitzenleistung ist keine Leistung, mit der man rechnet – sie ist eine Reserve für den Moment des Anlaufens.

2. Anlaufstrom: warum die Reserve wichtiger ist als die Zahl auf dem Karton

Alles mit Elektromotor – Kreissäge, Kompressor, Tauchpumpe, Kühlschrank – zieht im Moment des Anlaufens ein Vielfaches seiner Nennleistung. Ein Gerät mit 800 W Nennaufnahme kann beim Start kurzzeitig mehrere Kilowatt verlangen. Genau dafür ist der Abstand zwischen Dauer- und Spitzenleistung da.

Dieser Abstand fällt sehr unterschiedlich aus. Beim Könner & Söhnen KS 1900i S liegen 1900 W Dauerleistung und 2000 W Spitze nur 100 W auseinander – ein schmales Fenster, ausgelegt auf gleichmäßige Verbraucher. Beim maXpeedingrods MXR 2300 stehen 1800 W gegen 2300 W, also eine deutlich größere Reserve bei geringerer Dauerleistung. Für rein ohmsche Verbraucher wie Licht, Heizlüfter oder Ladegeräte spielt das keine Rolle, für Motoren sehr wohl.

3. Inverter oder Synchrongenerator

Ein Synchrongenerator erzeugt die Wechselspannung direkt aus der Motordrehzahl. Er ist einfach aufgebaut, robust und im Verhältnis zur Leistung günstig – aber die Spannungsqualität hängt an der Drehzahl, und der Motor läuft unabhängig von der Last immer gleich schnell. In diesem Vergleich sind das vier Geräte: Scheppach SG3200x, Einhell TC-PG 10/E5, Einhell TC-PG 3100 und Güde GSE 951.

Ein Inverter gleichrichtet die erzeugte Spannung zunächst und formt daraus elektronisch eine saubere Sinuswelle. Das ist die Voraussetzung für alles mit Netzteil oder Steuerelektronik: Laptop, Fernseher, Ladegeräte, Heizungssteuerung. Weil die Drehzahl der Last folgt, sinken bei Teillast außerdem Verbrauch und Geräusch. Zehn der 17 Geräte hier sind Inverter.

Der Unterschied zeigt sich auch auf der Waage. Der Scheppach SG3500i liefert 3000 W Dauerleistung bei 22,5 kg, der Synchrongenerator Scheppach SG3200x kommt bei 2500 W auf 44,7 kg. Wer das Aggregat regelmäßig tragen muss, sollte das mitrechnen.

4. Tank und Laufzeit – und warum die Laufzeit oft fehlt

Das Tankvolumen allein sagt nichts über die Laufzeit aus, weil der Verbrauch an der Last hängt. Erst die Kombination aus beidem ergibt eine belastbare Zahl – und genau die geben viele Hersteller nicht an. In unserem Vergleich ist eine Laufzeit mit genannter Last nur bei einem Teil der Geräte belegt; bei den übrigen steht ein „—“.

Ein Beispiel für eine Angabe, die wir nicht übernommen haben: Scheppach bewirbt den SG3200x mit „15 L Tank für 12 h Betrieb“, ohne zu sagen, bei welcher Last. Die Betriebsanleitung nennt dagegen 1,05 l/h bei zwei Dritteln Last – das wären rund 14 Stunden bei Teillast, aber deutlich weniger unter Volllast. Solche Werbewerte sind keine Laufzeiten.

Praxis-Tipp: Wenn der Hersteller einen Verbrauch in Litern pro Stunde mit Lastangabe nennt, rechne selbst: Tankvolumen geteilt durch Verbrauch. Das ist ehrlicher als jede beworbene Stundenzahl.

5. Kraftstoff: Benzin, und in einem Fall auch Gas

Dreizehn der 17 Geräte laufen mit Benzin. Der Könner & Söhnen KS 1900iG S ist der einzige Zweistoffer im Feld und lässt sich zusätzlich mit Flüssiggas betreiben. Der Hersteller weist dabei ausdrücklich aus, dass der Gasbetrieb die Ausgangsleistung um rund 10 % senkt – die Leistungsangaben in unserem Vergleich gelten deshalb für Benzin.

Für ein Notstromaggregat, das die meiste Zeit stillsteht, ist die Lagerfähigkeit des Kraftstoffs ein echtes Thema. Benzin altert im Tank und im Vergaser; ein Stabilisator und regelmäßige Probeläufe sind billiger als eine Vergaserreinigung im Ernstfall.

6. Lautstärke: angegeben, aber nicht vergleichbar

Fast alle Hersteller nennen einen dB-Wert – nur messen sie ihn unterschiedlich, und das macht die Zahlen zwischen den Marken wertlos:

  • Güde gibt die Schallleistung LWA an (95 dB bei GSE 951 und ISG 1200-1 Q). Das ist die abgestrahlte Gesamtleistung, keine Lautstärke an einem Ort.
  • Könner & Söhnen und maXpeedingrods nennen den Schalldruck auf 7 m – teils zusätzlich bei nur 25 % Last.
  • Scheppach und Einhell nennen einen Schalldruck ohne Angabe des Messabstands.

Der Unterschied ist keine Kleinigkeit: Ein LWA-Wert liegt bei derselben Maschine systematisch rund 20 dB über dem Schalldruckwert. Die 95 dB des Güde GSE 951 und die 58,9 dB des maXpeedingrods MXR 2300 stehen also nicht für einen Unterschied von 36 dB, sondern für zwei verschiedene Messgrößen.

Beim Scheppach SG3400i widersprechen sich die Angaben sogar innerhalb desselben Hauses: 61 dB im Amazon-Titel, 65,5 dB im Titel des Scheppach-Shops, 73,37 dB Lp(A) im Datenblatt desselben Shops. Wir zeigen den Datenblattwert und schreiben den Widerspruch auf der Gerätekarte dazu.

Aus all dem folgt: Die Lautstärke fließt bei uns nicht in die Wertung ein und ist auch nicht sortierbar. Wir zeigen sie an – aber nie ohne das Messverfahren daneben.

7. Sicherheit: der Punkt, an dem es nicht um Komfort geht

Ein Verbrennungsmotor erzeugt Kohlenmonoxid. Das Gas ist geruchlos, farblos und in geschlossenen Räumen innerhalb von Minuten tödlich. Ein Stromerzeuger gehört deshalb ausschließlich ins Freie – auch nicht in die offene Garage, nicht ins Carport, nicht in den Kellerraum mit gekipptem Fenster. Vom Aggregat ins Haus führt nur das Verlängerungskabel, und dafür gehört eine Gummischlauchleitung für den Außenbereich verwendet, keine Haushaltstrommel.

Der zweite Punkt betrifft die Einspeisung in die Hausinstallation: Sie ist ohne eine fachgerecht installierte Umschalteinrichtung lebensgefährlich, weil Spannung ins öffentliche Netz zurücklaufen kann. Die Geräte in diesem Vergleich sind für den Inselbetrieb gedacht – Verbraucher werden direkt an die Steckdosen des Aggregats angeschlossen. Alles andere gehört in die Hände einer Elektrofachkraft.

Die Kurzfassung vor dem Kauf

  1. Bedarf gegen die Dauerleistung rechnen, nie gegen die Spitzenleistung auf dem Karton.
  2. Motoren dabei? Dann auf den Abstand zwischen Dauer- und Spitzenleistung achten.
  3. Elektronik dabei? Dann Inverter, kein Synchrongenerator.
  4. Muss es getragen werden? Gewicht je Watt vergleichen – die Spanne reicht von 12 kg bis 45 kg.
  5. Laufzeit nur glauben, wenn eine Last dabeisteht. Sonst selbst aus Tank und Verbrauch rechnen.
  6. dB-Werte nur innerhalb einer Marke vergleichen – und nur bei gleichem Messverfahren.
  7. Aufstellort und Kabel vorher klären. Nur im Freien, mit Abstand zu Fenstern und Türen.

Weiter zum Vergleich

17 Geräte nach Dauerleistung, Spitzenleistung, Tank und Laufzeit sortiert – mit allen Werten offen im Datenblatt und der Quelle je Angabe.

Zum Stromerzeuger-Vergleich →

Wie unsere Punktzahl zustande kommt, erklären wir unter Wie wir bewerten.

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